Wie Dörfer an einem See

Der Buddhismus begann vom VII. Jahrhundert an in Tibet Fuß zu fassen und im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich allmählich vier große Überlieferungsströme heraus:

die Nyingma Tradition,
die Kagyü Tradition,
die Sakya Tradition,
die Gelug Tradition.

Die Tibeter verwenden häufig folgendes Bild, um das Gleiche und Unterschiedliche der vier Schulen zu veranschaulichen. Sie sind wie vier Dörfer an einem See. Die Lage und Bauart der Dörfer ist unterschiedlich, doch das Wasser, das sie trinken, stammt aus demselben See.

Die Kagyü Tradition

Die Kagyü Schule beginnt in Tibet mit Marpa, dem Übersetzer (1012 - 1097), der wie etliche seiner Zeitgenossen nach Indien reiste,
um dort bei den großen Meistern des indischen Buddhismus den Weg des Buddha tiefer
zu erlernen.
Sein wichtigster Meister wurde der große Gelehrte und Yogi Naropa.
Dieser übertrug ihm all die Lehren, die er von seinem Guru Tilopa erhalten hatte.




Marpa brachte diese Lehren nach Tibet und gab sie an seine Schüler weiter.

Sein Hauptschüler war Milarepa (1052 - 1135), der viele Jahre in der Abgeschiedenheit des Himalaya meditierte und die große Verwirklichung erlangte. Milarepa sammelte in den späteren Jahren seines Lebens viele Schüler um sich, von denen Gampopa der herausragendste war.

Gampopa lebte als Arzt in der Region Dhagpo und hatte Frau und zwei Kinder. Als Frau und Kinder an einer Epidemie starben, entschloß sich Gampopa Mönch zu werden. Er gründete nach dem Tode Milarepas in Dhagpo das Kloster Daglha Gonpa. Von dort aus begann sich die Kagyü Linie in ganz Tibet zu verbreiten.


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